Am 25. Oktober 2025 fand in der Praxis Sprachtherapie Amberg in München-Moosach das Pilotseminar des Bayerischen Landesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. mit dem Titel „Ich sehe Dich auch ohne Worte“ statt. Das Konzept, das gemeinsam von Frau Marks (www.artisama.com) und Frau Amberg entwickelt wurde, sah eine Kombination aus Sprach- und Kunsttherapie vor. Sechs Aphasikerinnen und Aphasiker aus Bayern nahmen daran teil.
Im Mittelpunkt stand die Verbindung von Sprachtherapie und Kunsttherapie. Beide Therapieformen verfolgen auf unterschiedliche Weise ein gemeinsames Ziel: Gedanken, Wünsche und Gefühle – das Innere des Menschen – nach außen zu bringen und das Erfahren der eigenen Kompetenz.

Sprache strukturiert die Welt, Kunst gestaltet die eigene Welt.
Die sechs Teilnehmer bildeten eine überschaubare Gruppe, in der eine persönliche und vertrauensvolle Atmosphäre entstehen konnte. Die kleine Gruppengröße ermöglichte es, auf die einzelnen Teilnehmer individuell einzugehen und ihre Erfahrungen mit den verschiedenen therapeutischen Angeboten unmittelbar wahrzunehmen.
Im ersten Seminarblock wurde mit dem Thema „Licht“ sprachtherapeutisch gearbeitet. In verschiedenen linguistischen Übungen konnte der Begriff „Licht“ sprachlich gefüllt werden; die Teilnehmer setzten sich sprachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Anschließend wurde das Thema kreativ umgesetzt: Die Teilnehmer gestalteten eigene Leuchten. Unterstützt wurden sie dabei von der Kunsttherapeutin Isabella Marks, die den kreativen Prozess begleitete und individuelle Gestaltungsideen aufgriff.
Dabei konnten die Teilnehmer erfahren, dass persönliche Gedanken, Vorstellungen und Gefühle auch dann Ausdruck finden können, wenn die sprachliche Kommunikation erschwert ist. Die eigene Lampe wurde dadurch zu mehr als einem kreativen Produkt: Sie wurde zu einem persönlichen Ausdrucksmittel und machte etwas von der eigenen inneren Welt sichtbar.
Besonders wichtig war dabei auch das Erleben von Selbstwirksamkeit und Kompetenz. Etwas mit den eigenen Händen zu gestalten, eine Idee umzusetzen und am Ende ein fertiges, selbst geschaffenes Werk in den Händen zu halten, vermittelt das Gefühl: „Ich kann etwas.“ Gerade für Menschen, deren sprachliche Fähigkeiten durch eine Aphasie eingeschränkt sind, kann dieses Erleben besonders wertvoll sein. Sich selbst als kompetent und handlungsfähig zu erleben, ist ein wesentliches Ziel jeder Rehabilitation.
So entstand ein lebendiges Wechselspiel zwischen Sprache und Kunst: Gedanken und Assoziationen wurden in Sprache gefasst und anschließend in eine persönliche Gestaltung übertragen. Die entstandenen Lampen wurden wiederum zum Anlass für Kommunikation und Austausch.
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Gerade für Menschen mit Aphasie eröffnet dieser Ansatz zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten. Wo Worte fehlen, können Farben, Formen, Licht und Gestaltung eine eigene Sprache entwickeln.
Das Pilotseminar zeigte damit eindrucksvoll, welches Potenzial in der Verbindung von Sprach- und Kunsttherapie liegt. Kreative Methoden können die klassische sprachtherapeutische Arbeit sinnvoll ergänzen und Menschen mit Aphasie neue Wege eröffnen, sich auszudrücken, ihre persönlichen Ressourcen zu erleben und ihre eigene Welt sichtbar zu machen.